Unser Projekt "HörBare Erzählräume" 2024

 

 

 

 

 

 

Artikel GE-nior, 08/2024

„Ohren spitzen“ –

Das neue Projekt „HörBare Erzählräume“ beflügelt die Fantasie

 

Während unseres Lebens unterstützen uns die Ohren bei der Sprache und somit der Kommunikation mit anderen Menschen. Sie sind verantwortlich für das Hören unserer Lieblingslieder, dem Gesang der Vögel am frühen Morgen und helfen, Gefahrensituationen zu „erkennen“. Und nicht nur das - sie sind ebenso wichtig, damit wir unser Gleichgewicht halten, stehen, rennen und tanzen können!

Was liegt näher, als etwas mehr Aufmerksamkeit auf das Hören zu richten? Trainieren wir unser Hör-vermögen! Machen wir Hör-Spaziergänge. Besuchen wir Vertrautes und Neues. Lauschen wir Gesprächen und Texten aller Art. Erwecken wir durch die Kraft der Erzählkunst kleine und große Geschichten zum Leben. Schalten wir unser „Kopfkino“ an! So war der Plan Ende vergangenen Jahres in unserer ZWAR-Gruppe Erle.

Unsere ZWAR-Gruppe (Zwischen Arbeit und Ruhestand) besteht aus Menschen ab 60+, die sich regelmäßig treffen, um gemeinsam ihre Freizeit zu verbringen. Ob Boulen, Kegeln, Handarbeiten, Radfahren oder kulturelle Aktivitäten – das Miteinander und die Freude am gemeinsamen Erleben stehen im Mittelpunkt. Mit dem Projekt "HörBare Erzählräume" wollten wir unsere Aktivitäten um eine neue, kreative Komponente erweitern. Im Frühjahr 2024 starteten wir mit dem neuen Projekt.

 

Was bieten die „HörBaren Erzählräume“?

„HörBar“ ist ein vielseitiger Raum für literarische Geschichten, Märchen, Mythen, Sagen, Krimis, Zeitreisen sowie erfundene oder biografische Erzählungen. Diese Geschichten bieten interessante Impulse, die zum anschließenden Austausch anregen. Die „HörBar“ lädt dazu ein, sich zu treffen, zuzuhören und sich miteinander auszutauschen.

Unser Konzept basiert auf vier wesentlichen Bausteinen („KETI“):

 

K - Künstler*innen-Auftritte:

Bei diesen Veranstaltungen treten verschiedene Künstler und Künstlerinnen auf, um ihre Erzählkunst zu präsentieren und das Publikum in eine andere Welt entführen.

Am 20. Februar hatten wir bei unserem Basistreffen die „Bucheckern“ zu Besuch. Unter dem Motto "Älter werden ist gar nicht schlimm, wenn man die Alternative bedenkt" gaben vier Frauen humoristische Einblicke rund um das Alter.

Ein besonderes Erlebnis war die Krimilesung mit Herbert Knorr am 12. Juni in der Kellerbar des Consol-Theaters in GE-Bismarck. Er nahm uns gedanklich mit in die oft skurrilen Begebenheiten von Menschen wie du und ich, die plötzlich in Mord und Totschlag verwickelt wurden. Einfach nur köstlich.

In diesem Jahr sind weitere Lese-Veranstaltungen geplant. So wird uns Christoph Rösner im August in einem lyrisches „Weinseminar“ unter dem Titel „5000 Jahre Wein in 90 Minuten“ humoristisch die älteste alkoholische Trinkkultur der Menschheit näherbringen. Natürlich gibt es Traubensaft dazu – alkoholhaltig und alkoholfrei. Ja, und im letzten Quartal wird uns Melody Reich mit ihrer Erzählkunst von weisen, starken Frauen berichten, die in Märchen und Sagen immer schon eine Rolle gespielt haben. „Glück und Weisheit“ ist hier das Oberthema. Und die Bucheckern wurden nochmals eingeladen mit ihrem neuen Programm „Familienbande“.

Wichtig bei der Auswahl war uns, unterschiedliche Genre als buntes Angebot zu präsentieren.

 

E - Erzählcafé:

In gemütlicher Atmosphäre bei Kaffee und Gebäck Geschichten zu hören und sich darüber auszutauschen, fördert die Gemeinschaft und bietet eine Plattform für gemeinsame Erlebnisse. Bereits einmal hatten wir das Vergnügen, Regina Klein im rollenden „Erzählcafé“ zu erleben. Frau Klein ist Fotografin, Familienforscherin und Genealogin. Und natürlich auch Buchbinderin. Wie praktisch, denn so können Anekdoten und Geschichten direkt in eine passende Form gegeben werden. Hinweis: „Rollendes Erzählcafé“ deshalb, weil wir an verschiedenen Orten (z.B. im Elisabeth-Käsemann-Familiennetzwerk oder Gemeindehaus der Thomaskirche) zusammenkommen.

 

T - Ton und Text (TuT) – „Kurzgeschichten-Kreisel“:

In diesem Format werden selbst vorgetragene Geschichten präsentiert. Ob eigene Erlebnisse oder erfundene Geschichten, hier hat jede*r die Möglichkeit, seine oder ihre Erzählungen mit anderen zu teilen. Auch Kurzgeschichten von Autoren können hier zum Besten gebracht werden. Bedingung: Die Länge des einzelnen Vortrags darf 10 Minuten nicht übersteigen. Sonst droht „Strafe“ (das letzte Mal mussten Zungenbrecher-Sätze vorgetragen werden! Das war schlimm, ich sage es euch!) So hatten bei der ersten Zusammenkunft sechs ZWARler*innen den Mut, sich als Vorleser*innen zu melden. Und die Gruppe von insgesamt 20 Personen hatten sichtlich ihren Spaß dabei! Zwei weitere Termine sind 2024 geplant.

 

I - Infos rund ums Hören:

In unseren Basistreffen und bei Exkursionen vermitteln wir Interessantes rund ums Hören. Ziel ist es,  nützliches Wissen und Tipps zu streuen, das so vielleicht nicht bekannt ist.

Im April waren wir in der Zentralbibliothek Gelsenkirchen. Eine Infoveranstaltung mit anschließender Führung zeigt die Möglichkeiten der Bibliothek auf. Neben der offensichtlichen Ausleihmöglichkeit von Büchern, DVDs u.a.m. wird auch ein „Blumen- und Gemüsesamentausch“ angeboten. Durch digitale Formate können Filme und Musik gestreamt werden – und natürlich als Kernkompetenz auch Bücher und Zeitschriften digital gelesen werden.

Ebenfalls im Frühjahr waren die „Mentoren - Die Lesehelfer GE e.V.“ auf unserem sog. Basistreffen und stellten ihre Arbeit vor. Ehrenamtlich Schulkindern beim Lesen unterstützen – das ist die Motivation dieses Vereins. Möglichst einmal wöchentlich begleitend während der Schulzeit für 1 Std – es werden noch Unterstützer*innen gesucht!

Und auch die Geschichte des Erzähltheaters "Kamishibai" mit Fotokarten aus den "60er Jahren" fand viel Resonanz und regte zum Austausch über dieses Lebensjahrzehnt an.

 

Die Veranstaltungen finden dezentral möglichst im Stadtteil Erle statt, um eine breite Teilnahme zu ermöglichen. Bisher waren alle Formate ein voller Erfolg und wurden gut angenommen. Bei den Künstler*innen-Auftritten hatten wir die Ansprechpersonen aller ZWAR-Gruppen aus Gelsenkirchen angeschrieben, um die Infos zu streuen und ggf. Interessierte aus den anderen Stadtteilen mit hinzuzunehmen. So waren bei dem Auftritt von Herbert Knorr ZWARler*innen aus Buer, Resse, Feldmark/Rotthausen/Altstadt sowie aus dem Tauschring Gelsenkirchen mit dabei. Vernetzung pur. Und warum auch nicht – freie Plätze werden gern angeboten, um den Gemeinschaftsgedanken zu stärken.

Als kleines Dankeschön für alle Aktive kommt unser selbst kreierter „Bücherwurm“ zum Einsatz. Als Lesezeichen oder einfach nur so erinnert er an einen tollen Auftritt!

Unsere Sinne zu schärfen und bewusst zu nutzen – wie wichtig ist dies! Und gerade unser Hörsinn ist von Anfang an dabei – schon als kleines Zellbündel im Mutterleib hört der Fötus bereits Geräusche inner- und außerhalb des Körpers der Mutter. Ja, und die moderne Medizin hat bewiesen, dass zum Schluss als letzter Sinn das Hören seine Funktion einstellt. Wie schön, wenn wir spielerisch und mit viel Spaß unsere Ohren beschäftigen und Neues entdecken! In unserem Projekt "HörBare Erzählräume" besinnen wir uns auf die Kunst des Zuhörens, bereichern unser eigenes Leben und auch das unserer Mitmenschen.

Weitere Informationen können auf unserer Homepage eingesehen werden:
zwar-gelsenkirchen.de, Stadtteil Erle, Rubrik "Aktivitäten - miteinander unterwegs".
Kontaktdaten: Erika und Werner Salewsky, FON 0209 788678

 

Erika Salewsky
ZWAR-Gruppe Gelsenkirchen-Erle
(Artikel GE-nior, 08/2024)

 

 

Kurzgeschichten-Kreisel

 

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